Gemeines Rispengras – der Übeltäter unter den Rispengräsern
Gemeines Rispengras (oder Gemeine Rispe, Poa trivialis) ist ein echter Übeltäter unter den Gräsern. Auf allen Böden, besonders aber auf feuchten Ton- und Moorböden, ist es schwierig, gute Gräser wie Deutsches Weidelgras in der Weide zu halten. Vor allem auf Flächen mit Fahrspuren (Kopfstücke) oder dort, wo Kühe die Narbe beschädigt haben, nutzt das Ungras seine Chance. Besonders in Trockenperioden steigt das Risiko für die Ausbreitung von minderwertigen Gräsern und Unkräutern.
Nach einem milden Winter nutzen Gemeines Rispengras und Gemeine Rispe (Poa annua) ihre Chance, da sie im Frühjahr früher austreiben. Diesen Vorsprung nutzen sie, um kahle Stellen zuerst zu besetzen – mit der Folge, dass der Anteil an schlechtem Gras in der Weide steigt. Tückisch ist, dass diese schlechteren Weiden auf den ersten Blick oft gut aussehen.
Ungras Gemeine Rispe
Vor allem in nassen Perioden entwickelt sich Gemeines Rispengras sehr schnell und behindert so das Wachstum von Deutschem Weidelgras und anderen guten Gräsern. Die Eigenschaften des Ungrases sind äußerst schwach: Es liefert 20 bis 25 % weniger Trockenmasse als Deutsches Weidelgras. Zudem wurzelt es nur oberflächlich (oberirdische Ausläufer), wodurch seine Trockenheitsresistenz sehr gering ist. Bei hohen Temperaturen stoppt das Wachstum, und schon nach einer Woche Trockenheit stirbt Gemeines Rispengras komplett ab.
Diese gravierenden Schwächen beeinträchtigen sowohl den Ertrag als auch die Qualität deines Futters. Gemeines Rispengras beginnt bereits ab 5 °C zu wachsen, während Deutsches Weidelgras erst ab 10 °C austreibt. Mit ausreichend Sonnenlicht startet es schon im Februar. Damit verschafft sich das Ungras einen Vorsprung. Gemeines Rispengras ist ein schleichendes Ungras: Bekommt es etwas Raum, breitet es sich stark aus. In einer Fläche mit 20 % Gemeiner Rispe können im nächsten Jahr schnell 40 % stehen.
Flächen inspizieren
Um den Zustand deiner Weiden richtig einzuschätzen, empfiehlt es sich, die Flächen regelmäßig zu kontrollieren. Gehe langsam in W-Form über die Weide und achte besonders auf kahle und beschädigte Stellen. Stich mit einem Spaten eine verdächtige Pflanze aus: Wenn die Stängelansätze weiß sind, handelt es sich um Gemeines Rispengras.
Deutsches Weidelgras hingegen hat rote Stängelansätze. Liegt der Anteil guter Gräser unter 80 %, empfiehlt sich Nachsaat. Sinkt er unter 60 % oder schätzt du, dass mehr als 20 % Quecke im Bestand sind, ist eine Grünlanderneuerung die bessere Wahl.